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Justizfachwirtin/Justizfachwirt

1. Aufgaben

Justizfachwirtinnen und Justizfachwirte sind als Beamtin / Beamter der Laufbahngruppe 1, 2.Einstiegsamt der Fachrichtung Justiz bei Gerichten und Staatsanwaltschaften tätig. Ihre Tätigkeit ist vielseitig und verantwortungsvoll. Justizfachwirtinnen und Justizfachwirte nehmen büroorganisatorische, verwaltende und rechtsanwendende Aufgaben wahr und sind überwiegend in Serviceeinheiten in den Fachgebieten Strafrecht, Zivilrecht, Nachlass, Insolvenzen, Zwangsvollstreckung, Familienrecht, Grundbuch, Register, Vormundschaft und Betreuungen bzw. in verwaltungs-, arbeits- oder sozialgerichtlichen Verfahren tätig. Sie sind darüber hinaus auch Ansprechpartner für ratsuchende Bürgerinnen und Bürger und berücksichtigen deren besondere Situation und Interessen.

Zu ihren Aufgaben, die sie mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechniken durchführen, gehören u. a.:

- die Verwaltung der Akten,
- der Umgang mit dem Publikum,
- die Aufnahme von Anträgen und Erklärungen.

Weitere wichtige Aufgaben sind

- die Protokollführung bei Gerichtsverhandlungen,
- die Anordnungen von Zustellungen und Ladungen,
- sowie die Verwaltung der gerichtlichen Zahlstelle.

Zu dem Zuständigkeitsbereich der Beamten / Beamtin des ehemaligen mittleren Dienstes gehören aber auch Tätigkeiten, die in besonderem Maße weitreichende eigene Entscheidungen und eine selbständige Sachbearbeitung erfordern, wie z.B.

- die Berechnung und Festsetzung der Entschädigungen für Zeugen und Sachverständige,
- die Berechnung und Einziehung von Gerichtskosten,
- das Führen der Insolvenztabelle,
- die Erteilung von vollstreckbaren Ausfertigungen von Urteilen und gerichtlichen Vergleichen,
- die Berechnung von Reisekostenvergütungen.

Diese Aufzählung der Aufgaben ist nicht vollständig. Sie macht aber deutlich, dass die Justizfachwirtinnen und Justizfachwirte eine wichtige Kontaktstelle zwischen Bürger und Justiz darstellen. Von ihrem Geschick hängt es in vielen Fällen ab, ob die Justiz ihre Aufgaben erfüllen kann und die Bevölkerung, wenn sie mit der Justiz zu tun hat, in ihren berechtigten Erwartungen nicht enttäuscht wird.

Der Beruf erfordert deshalb neben vielseitigen Fachkenntnissen auch Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft, Sorgfalt und - wegen des steten Umgangs mit dem Publikum - ein gutes Einfühlungsvermögen

2. Zulassungsvoraussetzungen

Wer Beamtin/ Beamter der Laufbahngruppe 1,2. Einstiegsamt Fachrichtung Justiz (ehemals mittlerer Justizdienst) werden möchte, hat eine spezielle Ausbildung zu absolvieren.

Zu dieser Ausbildung kann zugelassen werden, wer

a) eine Realschule erfolgreich besucht hat,

b) eine Hauptschule erfolgreich besucht und eine Justizfachangestellten-, Rechtsanwalts- oder Notarfachangestelltenausbildung erfolgreich abgeschlossen hat oder

c) einen als gleichwertig anerkannten Bildungsstand

nachweist.

Grundkenntnisse im Tastschreiben, im Betriebssystem Windows und im Textverarbeitungssystem Word sind erwünscht und hilfreich.

Des Weiteren ist Voraussetzung, dass das 40. Lebensjahr, im Fall der Schwerbehinderung das 45. Lebensjahr, noch nicht vollendet ist. Diese Altersgrenze gilt nicht für Inhaber eines Eingliederungs- oder Zulassungsscheins und für Bewerber, die die Voraussetzung des § 7 Abs. 2 des Soldatenversorgungsgesetzes erfüllen.

Bei Bewerberinnen und Bewerbern, die wegen Betreuung mindestens eines mit ihnen in häuslicher Gemeinschaft lebenden Kindes unter 18 Jahren von einer Bewerbung um Einstellung vor Vollendung des 40. Lebensjahres abgesehen haben, erhöht sich das Höchstalter je Kind um 3 Jahre bis zu einem Höchstalter von 46 Jahren. Schwerbehinderte werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt.

Bewerbungen von Menschen mit Migrationshintergrund sind erwünscht und willkommen.

In das Beamtenverhältnis darf gem. § 7 Beamtenstatusgesetz außerdem nur berufen werden, wer Deutscher i. S. d. Artikel 116 des Grundgesetzes ist oder die Staatsangehörigkeit eines anderen Mitgliedstaates der Europäischen Union, eines anderen Vertragsstaates des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum oder eines Drittstaates, dem Deutschland und die EU einen Anspruch auf Anerkennung von Berufsqualifikationen eingeräumt hat, besitzt.

3. Ausbildung

Die Ausbildung dauert zwei Jahre und 6 Monate und beginnt am 1. September eines jeden Jahres.

Sie gliedert sich in fünf Abschnitte:

- eine 4-monatige praktische Ausbildung bei einem Amtsgericht (Praxis I),
- ein 4-monatiger Lehrgang (Lehrgang I),
- eine 10-monatige praktische Ausbildung, die bei einem Amtsgericht, Landgericht und einer Staatsanwaltschaft abgeleistet wird (Praxis II)
- ein 4-monatiger Lehrgang (Lehrgang II)
- eine 8-monatige praktische Ausbildung bei einem Amtsgericht (Praxis III).

Die Ausbildungsgerichte, bei denen die praktische Ausbildung stattfindet, werden vom Oberlandesgericht bestimmt.

Dort durchlaufen die Anwärterinnen und Anwärter die unterschiedlichsten Abteilungen und werden zeitweise einem Landgericht und einer Staatsanwaltschaft zugewiesen. Anwärterinnen und Anwärter, die von einem Verwaltungsgericht, Arbeitsgericht oder Sozialgericht eingestellt wurden, leisten dort eine 4-wöchige Ausbildung ab.

Die praktische Ausbildung am Arbeitsplatz wird durch eine Arbeitsgemeinschaft begleitet, die i. d. R. einmal wöchentlich zentral bei einem Landgericht stattfindet.

Die Lehrgänge I und II, in denen nur theoretischer Unterricht stattfindet, werden in der Regel an ein oder zwei zentralen Standorten im Oberlandesgerichtsbezirk Oldenburg eingerichtet.

Zu den Ausbildungsabschnitten im Einzelnen:

Der erste Praxisabschnitt beginnt mit einer fünftägigen Einführung beim Ausbildungsgericht. Daran schließt sich ein ca. 3 Wochen dauernder Unterrichtsblock an, der wiederum beim Landgericht zentral organisiert wird. Dort wird erstes Grundlagenwissen vermittelt und mit dem Erlernen des Schreibens auf einer Tastatur (Zehn-Finger-Tastschreiben) begonnen. Danach folgt eine dreimonatige praktische Ausbildung im Ausbildungsgericht (Amtsgericht).

Die theoretischen Kenntnisse und die darauf aufbauenden berufspraktischen Fertigkeiten werden schwerpunktmäßig in den Lehrgängen I und II vermittelt.

Neben fachlichen und beamtenrechtlichen Inhalten werden dort auch z. B. Kommunikations-und Präsentationstechniken, sog. Schlüsselqualifikationen, gelehrt. Der Unterricht findet i. d. R. drei Doppelstunden täglich und gelegentlich nachmittags statt.

Während der Praxis II und III wird dann das Wissen aus den Lehrgängen angewendet und vertieft. EDV-Schulungen begleiten die praktische Ausbildung. Auch die Schreibfähigkeiten an der Tastatur werden weiter gefördert.

4. Betreuung während der Ausbildung

In jeder Ausbildungsbehörde steht eine Ausbildungsleiterin oder ein Ausbildungsleiter als Ansprechpartner/in zur Verfügung, um den Ablauf der Ausbildung zu koordinieren.

Daneben sind in Niedersachsen insgesamt vier Ausbildungsbetreuerinnen und Ausbildungsbetreuer im Einsatz, die die Anwärterinnen und Anwärter bei Fragen und Problemen, die die Ausbildung insgesamt betreffen, unterstützen.

5. Prüfungen

Zu Beginn der Praxis II findet eine schriftliche Zwischenprüfung statt, die Auskunft darüber geben soll, ob der zum Zeitpunkt der Zwischenprüfung vorgesehene Ausbildungsstand erreicht ist. Neben drei Aufsichtsarbeiten ist ein Tastschreibnachweis von 180 Anschlägen die Minute zu fertigen.

Am Ende des fünften Ausbildungsabschnitts (Praxis III) findet die Laufbahnprüfung statt, die aus einem schriftlichen Teil mit 5 Aufsichtsarbeiten und einem mündlichen Teil in Form einer fallbezogenen Rechtsanwendung besteht.

6. Laufbahn und Besoldung

Während der Ausbildung (Vorbereitungsdienst) sind die Anwärterinnen und Anwärter Beamtinnen und Beamte auf Widerruf. Sie erhalten in dieser Zeit Anwärterbezüge

i. H. v. ca. 1100 € brutto (Stand: Juni 2017).

Verheiratete erhalten einen Zuschlag. Die Anwärterbezüge sind zu versteuern, es brauchen aber keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt zu werden. Bei Krankheit erhalten die Anwärterinnen und Anwärter wie alle Beamtinnen und Beamte eine Beihilfe, die die entstehenden Kosten zu einem Teil z. B. bei Ledigen 50 % deckt. Der Abschluss einer privaten Krankenversicherung über den restlichen Prozentsatz ist daher ratsam.

Nach Ableistung des Vorbereitungsdienstes und bestandener Prüfung endet das Beamtenverhältnis auf Widerruf. Die Absolventinnen und Absolventen mit bestandener Prüfung sind berechtigt die Berufsbezeichnung "Justizfachwirtin/Justizfachwirt" zu führen.

Sofern eine Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Probe erfolgt, erhalten sie die Dienstbezeichnung "Justizsekretärin" oder "Justizsekretär" (BesGr. A 6 BBesO). Ein Rechtsanspruch auf Übernahme besteht nicht.

Sofern die Probezeit von in der Regel drei Jahren erfolgreich absolviert wurde, erfolgt die Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit.

Die Höhe der Besoldung ist im Bundesbesoldungsgesetz festgelegt. Zur Laufbahngruppe 1, 2. Einstiegsamt der Fachrichtung Justiz gehören die Besoldungsgruppen A 6 bis A 9 mit Zulage.

7. Ihre Bewerbung

Ihre Bewerbung reichen Sie bitte an das Oberlandesgericht Oldenburg.

Weitere Informationen finden Sie hier.

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